Bielefeld

7. bis 22. Juni 2017

Universität Bielefeld • Zentrale Halle
Universitätsstraße 25 • 33615 Bielefeld

Plakat der Ausstellung in Bielefeld

In der zentralen Halle des Bielefelder Universitätshauptgebäudes kommt die Ausstellung VorBILDER – Sport und Politik vereint gegen Rechtsextremismus besonders zur Wirkung. Auf dem Weg zum Tutorium, der Vorlesung oder auch nach einem Abstecher in die Cafeteria bleiben viele der Studierenden stehen, um sich den Texten und Fotografien zu widmen. Die VorBILDER begleiten sie durch die lange Halle. Und gerade an einem Ort wie diesem, wo täglich Gedanken ausgetauscht werden, ist klar: Die VorBILDER dienen nicht nur dazu, einen Raum zu schmücken. In erster Linie sollen sie Interesse wecken und zum Nachdenken anregen. Wer ist ein Vorbild? Wofür brauchen wir Vorbilder? Sind die Mitwirkenden, die in der Ausstellung zu sehen sind, alle Vorbilder? Wäre man selbst dazu bereit, sich öffentlich, mit Gesicht und Namen, gegen Rechtsextremismus zu positionieren? Was kann man selbst dadurch bewirken? Würde man selbst helfen, wenn die Würde eines anderen Menschen verletzt wird?

Wie entstehen eigentlich Vorurteile und Diskriminierung? Dieser Frage wird dann am Tag der Ausstellungseröffnung der VorBILDER in der Universität Bielefeld nachgegangen. In einer Gesprächsrunde mit zahlreichen geladenen Gästen erörtert Student und Moderator Timo Peitsch die Hintergründe der Ausstellung VorBILDER. Der Gewalt- und Konfliktforscher Prof. Dr. Andreas Zick erklärt: „Vorurteile entstehen nicht immer wieder neu. Die sind einfach da.“ Vorurteile würden auf einer psychologischen Ebene immer sehr gleich entstehen. Zu Beginn würde man Menschen kategorisieren. Das sei nichts Schlimmes, so Zick und fährt fort: „Eine Kategorie ist noch kein Vorurteil. Aber dann ordnen wir Stereotype dazu.“ Und dann würde aus einem Muslim plötzlich ein terroranfälliger Mensch. Der wesentliche Schritt bei der Bildung von Vorurteilen sei aber, dass es motiviert geschehe. Andere würden abgewertet, indem man sie nicht als Individuum wahrnehme, sondern bestimmten Gruppen zuordne, denen unterschiedliche Wertigkeiten unterstellt würden. „Und genau das ist das Thema der Ausstellung“, so Zick.

Angelika Kohlmeier, Fotografin und Ausstellungsmacherin, gibt einen Einblick hinter die Kulissen und berichtet von der Entstehung der Bilder, der dazu gehörigen Kampagne „Sport und Politik vereint gegen Rechtsextremismus“ und der Intention der Ausstellung, die sie gemeinsam mit Bernd Kohlmeier entwickelt hat. Sie verweist auf die SportlerInnen und PolitikerInnen und deren eigens für die Ausstellung kreierten Aussagen gegen Diskriminierung.

Prof. Dr. Angelika Epple, Prorektorin für Internationales und Diversität der Universität Bielefeld, betont, wie sehr sie sich freut, die beeindruckende Ausstellung in Bielefeld zu eröffnen und dass diese Eröffnung kein Pflichttermin für sie ist. Die Professorin für Geschichte sagt: „Die Universität Bielefeld verfolgt das Ziel, die Vielfalt der Menschen, die hier arbeiten, studieren, lehren und forschen, zu würdigen und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Talente zu fördern.“

Die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Britta Haßelmann, hat die Ausstellung in ihren Wahlkreis geholt, weil sie es wichtig findet, dass Projekte wie die VorBILDER initiiert und gefördert werden. Sie hat auch eine ganz konkrete Idee, wie verhindert werden kann, dass solchen Projekten und Initiativen die Gelder entzogen werden. Sie würde gerne auf Bundesebene ein Demokratiefördergesetz auf den Weg bringen, welches die Gelder für Projekte, die die Demokratie stärken und fördern, sichert.

Die Sportpädagogin Valerie Kastrup sagt, der Sport sei ein gutes Feld, um Antirassismusarbeit zu betreiben, denn dort ginge es um die Leistung des einzelnen und nicht um die Herkunft.

Auch Karsten Bremke kämpft gegen rechtes Gedankengut in der Gesellschaft und nutzt dafür den Sport. Gemeinsam mit den Arminen Uwe Fuchs und Benjamin Lense gründete der ehemalige Fußballprofi im Januar 2016 Bielefeld United. Mithilfe des Sports betreiben sie intensive Integrationsarbeit. „2015 hatten wir die große Immigrationswelle und haben dann gesagt, wir engagieren uns da. Wir haben […] ganz klein angefangen.“ Mit den Privat-PKW hätten sie damals Jungs aus den Einrichtungen abgeholt und zum Fußballtraining gebracht. Mittlerweile ist der Verein gewachsen und arbeitet u.a. auch mit der Sportfachschaft der Universität zusammen.

Das didaktische Begleitmaterial zur Ausstellung wird von Detlev Schürmann, Kriminologe und Polizeiwissenschaftler vom Deutschen Forum für Kriminalprävention (DFK), vorgestellt: Die von der Soziologin Antje Gansewig erstellte Handreichung mit Begleit-DVD zur schulischen und außerschulischen Jugendarbeit. Diese kann auch für die Integrationsarbeit, z.B. in Sportvereinen, sehr hilfreich sein und unter http://www.vorbilder.website/material.php bestellt oder heruntergeladen werden.

Die Mitbegünderin des „Bielefelder Bündnisses gegen Rechts“, Dr. Wiebke Esdar, berichtet von der organisatorischen Struktur und den Herausforderungen für ihre Arbeit anhand von Beispielen durchgeführter Aktionen gegen rechtsextreme Auftritte in Bielefeld. Durch klare Positionierung für Gewaltfreiheit und basisdemokratische Handhabung fände ihr Bündnis in Bielefeld viel Anklang.

Es gebe keinen besseren Ort in Bielefeld für die VorBILDER als diesen, so die Bundestagsabgeordnete Haßelmann. „Hier werden ganz viele Menschen einfach stehenbleiben und sich hoffentlich ein paar Gedanken machen, was das Ganze mit ihnen und mit uns und der Universität und ihrem Leben und ihrer politischen Einstellung und ihrem Engagement [zu tun hat]. Nämlich das alles verbindet die Ausstellung für mich und deshalb freue ich mich so, dass sie heute hier ist.“