Friedrichshafen

10. März bis 31. März 2016

Zeppelin Universität

Plakat der Ausstellung in Friedrichshafen

Thomas Köhler hat ein gutes Gespür für Menschen. Er nutzt Chancen und lässt Begegnungen entstehen. Im Grunde bringt er Menschen zusammen, die auf ihren eingeschlagenen Wegen niemals zueinander gefunden hätten. Und weil Thomas Köhler so gut im Vernetzen ist, steht die Ausstellung VorBILDER derzeit in Friedrichshafen an der Zeppelin Universität. Gemeinsam mit Simone Kegelmann, die wie er für das städtische Amt für Soziales arbeitet, hat er ein Programm rund um die Ausstellung auf die Beine gestellt. Und so kommt es, dass sich hier Professorinnen und Professoren, Studentinnen und Studenten, Politikinteressierte und Engagierte treffen, um sich mit dem Thema der Ausstellung VorBILDER zu befassen und um noch mehr zu bewegen. Die Zeppelin Universität ist ein geeigneter Ort für diese Begegnungen, weil sie viel Raum für gesellschaftliches Engagement bietet, wie die zahlreichen studentischen Initiativen beweisen. Das neue Gebäude der privaten Universität mit seinen Schiefertafelwänden lädt zu kreativem Denken ein. Die Atmosphäre an der Hochschule ist entspannt. Das lichtdurchflutete Gebäude im Fallenbrunnen ist ideal für die VorBILDER. Seminarräume sind großflächig mit Fenstern ausgestattet, eine Transparenz ist gewollt.

Viele der Studentinnen und Studenten machen sich stark für ein offeneres Miteinander. Auch die Eröffnungsveranstaltung ist geprägt von diesem Engagement und die Reden und Diskussionen zeichnen ein ganz persönliches Bild der geladenen Akteure. Marcel Schliebs, der stellvertretend für den Hochschulsport bei der Ausstellungseröffnung spricht, erzählt von dem Sportfest, das vier Tage zuvor in der VfB Halle in Friedrichshafen stattfand. Ein Sportfest mit und für mindestens 80 Geflüchtete. Ein Sportfest, gemeinschaftlich organisiert vom Hochschulsport in Kooperation mit der Studenteninitiative „welt_raum“ und dem VfB. Ein Fest, das Marcel Schliebs zum Anlass nimmt, um über die Möglichkeiten des Sports nachzudenken: „Was ist es eigentlich, was uns und den Sport ausmacht und was bringt uns zusammen und wovon profitieren wir?“ Die Antwort ist ebenso einfach wie genial. Sport brauche keine Sprache. „Sport ist eine Sprache.“ Es entstehe ein gemeinsames Verständnis über Kulturen und Sprache hinweg, wenn man gemeinsam Sport treibe, erklärt er. Es habe ihn einfach nur glücklich gemacht zu sehen, dass Leute, die sich vorher nicht kannten, über die gemeinsame Sprache „Sport“ zusammenfinden.

Der Vorlesungsraum, in dem die Veranstaltung stattfindet, füllt sich langsam mit Studierenden. Die Sonne scheint in den schwarzgetünchten Raum.
Angelika Kohlmeier, die Fotografin, erzählt von den Beweggründen der Ausstellung, die das Bundesministerium des Innern möglich gemacht hat. Sie spricht von fehlender Zeit für wichtige Themen wie die Bekämpfung von Rechtsextremismus und vom Mangel an Austausch, an Gesprächen. Ein Ministerpräsident wisse aufgrund seines straffen Zeitplans abends nicht mehr, wo er morgens angefangen habe. Es gebe zu wenig Zeit für intensive Begegnungen, für Austausch. Die Ausstellung wolle deshalb einen Anlass dafür bieten. Sie komme an die unterschiedlichsten Orte und diene dazu, Menschen miteinander zu vernetzen, sie miteinander ins Gespräch zu bringen, so Angelika Kohlmeier in Ihrer Ansprache. „Genau diese Intention war es, die die Ausstellung nun seit 18 Standorten so erfolgreich macht.“ Mit der Aussagekraft ihrer starken Bilder und dem jeweiligen Rahmenprogramm zur Ausstellung biete sie eine Plattform, um einander zu treffen und Dinge ins Rollen zu bringen.
Hannes Werning, der studentische Vizepräsident der Zeppelin Universität (ZU) hat einen ganz persönlichen Bezug zum Thema Rechtsextremismus. Der Student kommt aus der Nähe von Rostock und wurde, als er mit einem thailändischen Austauschschüler unterwegs war, von Rechtsradikalen mit Steinen beworfen. Dieser Vorfall habe ihn und seine Arbeit geprägt. An der ZU würden sie nicht nur über das Thema reden, sondern auch handeln, sich für Offenheit und Toleranz einsetzen und es leben. Deshalb habe er sich mit Peter Aulmann, der an der ZU für die Leitung Strategischer Partnerschaften zuständig ist, zusammengesetzt und ein Netzwerk gegründet. „leNe – learning network“ soll helfen, verschiedene Initiativen miteinander zu verknüpfen.

Bürgermeister Andreas Köster bedankt sich bei der Zeppelin Universität für das tatkräftige Engagement der Studierenden und die gelungene Zusammenarbeit.
Ein Blick aus dem Fenster verrät, dass der nächste Seminarblock beginnt. Ein letzter Zug an der Zigarette, noch einen Moment die Sonne auf der Haut spüren, dann geht es zurück auf die Ebene, wo jetzt auch die Fotowände der Ausstellung stehen. Wie ein Element, das zur Inneneinrichtung des Gebäudes gehört, sind die VorBILDER nun Teil des Uni-Alltags – nicht nur räumlich, sondern auch gedanklich. Das zeigt sich eindrucksvoll im Vortrag von Frau Prof. Dr. Maren Lehmann, dem sie den Titel gegeben hat: „Eine Form des Miteinander: Über Fremdheit“. Er bietet reichlich Stoff für die sich anschließende Podiumsdiskussion, die Patrick Kafka von der Führungsakademie Baden-Württenberg Württemberg moderiert.
Luca Messerschmidt stellt sich vor. Er ist einer der Teilnehmer der Diskussion an diesem Abend und Sprecher der Gruppe „Frühlingserwachen – Zusammenleben“. Ziel der Initiative sei, den durch Berichterstattung und planloses Verhalten der Politik geschürten Ängsten entgegenzuwirken. „Wir sind der Meinung, dass wir begrifflich wieder Klarheit schaffen können, indem wir sagen: Gemeinschaft funktioniert. Gemeinschaft funktioniert seit Jahren. Gemeinschaft funktioniert eben nicht durch den Ausschluss von einer bestimmten Gruppe von Menschen. Gemeinschaft funktioniert durch den Zusammenhalt, den wir tagtäglich bilden!“ Die Studierenden schaffen Situationen der Begegnung. Sie demonstrieren für ein offenes Miteinander und treten in den direkten Dialog mit Andersdenkenden. Beispielsweise, indem sie nach einer AfD-Veranstaltung auf die Menschen zugehen, sie auf eine Tasse Tee einladen und mit ihnen diskutieren.

Der Diplom-Sozialwirt Andreas Grau vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld setzt sich mit dem Begriff der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ auseinander. Sie sei geprägt von einer Ideologie der Unwertigkeit, die dazu führe, dass bestimmten Menschen aufgrund einer ihnen zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit die Gleichwertigkeit abgesprochen wird.
Der Austausch geht weiter. Anne Stelzel von der „Vernetzungs- und Anlaufstelle gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ in Stuttgart erzählt von ihrer Arbeit. Die Vernetzungsstelle gehört zu der Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung e.V. (LAGO) und wird vom Ministerium für Integration Baden-Württemberg gefördert. Anne Stelzel informiert, sensibilisiert und vernetzt, sie fördert eine Verbindung zwischen örtlich ansässigen Initiativen und landesweiten Stellen. Ebenso wie Felix Steinbrenner von der Landeszentrale für Politische Bildung, der Demokratieaufklärung betreibt.
Die rege Beteiligung des Publikums an der Diskussion und die differenzierten Beiträge spiegeln das große Interesse der Besucher wider und die Bedeutung des Themas der Veranstaltung.

Mit einer Theatervorführung der ganz besonderen Art endet der Tag der Eröffnung. Das Stück „welcome to europe – Geschichten vom Fliehen und Ankommen“ von Elina Finkel ist bewegend für die Besucher. Die Schauspielerinnen Cosima Greeven und Natasa Rikanovic lassen die Zuschauer spüren, was es heißt, auf der Flucht zu sein, lassen sie in das kalte Wasser eintauchen, das es zu überqueren gilt auf der langen Überfahrt von den Küsten Nordafrikas bis nach Europa. Aber es geht nicht nur um aktuelle Fluchtthemen. Auch die Geschichte verschiedener Flüchtlingsströme wird beleuchtet. Stoff genug für eine intensive Diskussion, zu der die Schauspielerinnen im Anschluss einladen. Das Stück ist speziell für eine pädagogisch begleitete Jugendarbeit geeignet, weil das Thema auf einer direkten Art und Weise vermittelt wird. Weitere Informationen zum Stück und sozialen Engagement der Künstler unter: projektflucht.de/das-projekt-2/
 

Weitere Veranstaltungen anlässlich der Ausstellung:
Am Samstag, 28. Mai findet für Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren, die Spaß am gemeinsamen Fußballspiel haben, der Käfig-Kick an der Uferpromenade statt. Organisiert wird die Veranstaltung vom Jugendzentrum MOLKE in Zusammenarbeit mit dem Stadtsportverband und weiteren Institutionen. Anmeldung und weitere Infos gibt es unter www.molke-fn.de.
Vom 10. bis 11. Juni und vom 24. bis 25. Juni findet die 3. Bildungsreihe „Einführung in das Asylrecht und die Unterstützung geflüchteter Menschen in Friedrichshafen“ statt. Veranstaltet wird die Bildungsreihe vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg und der Stadt Friedrichshafen, Netzwerkstelle des Amtes für Soziales. Weitere Informationen unter www.asyl.friedrichshafen.de.